Donnerstag, 11. Januar 2018

Pulpo a Feira mit Kartoffeln - Typisch galicisch?

Was für die Deutschen der Bratwurststand auf einem Fest ist, ist für die nordspanischen Galicier der Pulpostand. Wobei Stand nicht ganz das richtige Wort ist. Auf jedem Wochenmarkt oder Fest findet man Frauen, polbeiras auf Galicisch,  die in riesigen Kupfertöpfen Pulpos kochen. Das ist die typischste Form in Galicien, einen Pulpo zuzubereiten. Im restlichen Spanien wird das Gericht daher auch Pulpo a la Gallega genannt.
Um kaum ein Meeresgerichte kursieren mehr Gerüchte um die Zubereitung, als um den Pulpo. Das Fleisch des Pulpo ist sehr hart, denn es besteht fast ganz aus Eiweiß. Die Eiweißknoten ziehen sich bei Hitze gern zu einem gummiartigen Klumpen zusammen. Deswegen muß man ihn vor dem eigentlichen Kochen "weich" machen. Früher schlug man den Pulpo mehrmals fest auf einen Stein oder hängte ihn zwei bis drei Tage an Kordeln auf. Das war in den Zeiten, als es noch keine Kühl- und Gefrierschränke gab. Heute genügt es vollkommen, ihn vor dem Zubereiten 24 Stunden einzufrieren. Das knackt die Eiweißketten. Vergesst also das Mitkochen von Korken, auch wenn Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann darauf schwört, daß der Pulpo durch das Mitkochen von Korken weich werde. Man muß den Pulpo auch nicht stundelang kochen, bis er weich wird. In der Regel reichen 45 bis 60 Minuten, die der Pulpo sanft, knapp unter dem Siedepunkt vor sich hin ziehen muß.

Traditionell wird der Pulpo a Feira in Galicien nicht mit Kartoffeln cachelos gegessen, wohl aber im restlichen Spanien. Ursprünglich wurde der fertige Pulpo auf flachen Holztellern serviert. Das ist heute leider aus Hygienegründen verboten.
Erstaunlicherweise ist der Ursprung des Pulpo a la Gallega, den nicht nur die Spanier für ein typisch galicisches Gericht halten, gar nicht Galicien sondern die Maragatería. Das ist eine Zone im Landesinnern, in der Provinz León (Comunidad Castilla y León). Die Maragatos handelten einst mit Paprikapulver und Olivenöl, das sie aus der Extremadura über die Ruta de la Plata (Silberstraße von Sevilla bis Santiago de Compostela) nach Kastilien brachten. Auf ihrem Weg kauften sie getrockneten, eingesalzenen Pulpo, der sehr billig war, da ihn die Galicier wenig schätzen. Sie hatten damals frische und edlere Meeresfrüchte und Fische im Überfluß. Die Maragatos bereiteten den Pulpo dann so zu,  wie man ihn heute aus Galicien kennt. Vor allem würzten sie ihn reichlich mit ihrem so geschätzten Paprikapulver und Olivenöl. Weder Olivenöl noch Paprikapulver sind typisch galicische Zutaten.  Selbst der Name Pulpo a feira geht eigentlich auf die Maragatos zurück. Sie vesperten auf ihren traditionellen Viehmärkten ferias (oder feira auf Galicisch) das, was sie am meisten hatten: Gekochten, mit Paprikapulver und Olivenöl gewürzten Pulpo.
Heute wird Pulpo a feira meist als Tapa gegessen. Mit einem frischen Salat ist das Gericht aber auch ein vollwertiges Mittagessen.
Pulpo a Feira mit Kartoffeln
1 kg Pulpo (Krake)
2 mittelgroße, festkochende Kartoffeln pro  Person
Pimentón de la Vera, je nach Geschmack süß oder scharf oder auch ungeräuchertes Paprikapulver
Flor de Sal oder Maldonsalz
bestes Olivenöl nativ extra
2 Lorbeerblätter
1-2 Zweige Thymian
Meersalz

Den Pulpo vor dem Zubereiten mindestens 24 Stunden ins Gefrierfach legen. Dann beim Raumtemperatur auftauen lassen.

Kartoffeln schälen und in dicke Scheiben (circa 4 mm) schneiden.

In einem hohen Topf Wasser erhitzen. Den Pulpo ins kochende Wasser geben, eine Minute kochen lassen, mit Hilfe einer langen Gabel für eine Minute aus dem Wasser nehmen. Diese Prozedur  drei oder viermal wiederholen. Lorbeerblätter und Thymian ins Wasser geben und den Pulpo circa 45 Minuten knapp unter dem Siedepunkt garen. Nach circa 30 Minuten Kochzeit die Kartoffelscheiben zugeben. Mit einem Zahnstocher oder spitzen Messer in die dicksten Teile des Pulpo stechen, um festzustellen, ob er weich ist.
Pulpo herausnehmen, abtropfen lassen und mit einer Schere in circa 1 cm dicke Scheiben bzw. Stücke schneiden.

Kartoffelscheiben mit einem Schaumlöffel herausnehmen, abtropfen lassen und auf vier Teller verteilen. Darüber die Pulposcheiben legen. Großzügig mit Olivenöl beträufeln und mit Pimentón de la Vera und Salz bestreuen.








Montag, 8. Januar 2018

Pastinakencreme mit Orangensaft und Wachtelei - ein Winteressen


Die Gemüse-Pastinake, Pastinaca Sativa ssp. sativa, gehört zu der Familie der Doldenblütler. Die Wurzeln zählen zu den typischen Herbst- und Wintergemüsen; man bekommt sie ab Oktober bis Mitte März. Geerntet werden Pastinaken bis zum ersten Frost. Ihr volles Aroma entfalten sie erst nach einem kleinen Kälteschock. Dann wird die in ihr enthaltene Stärke in Zucker verwandelt, und die Pastinake bekommt ihren speziellen süßlichen Beigeschmack. Je kleiner das Exemplar, desto besser der Geschmack. Große Pastinaken sind manchmal etwas holzig. Die Wurzeln werden dann eingelagert. Meine Großmutter steckte Pastinaken wie Karotten in mit Sand gefüllte Mieten. So hatten wir fast den ganzen Winter über Pastinaken. Ihr Geschmack ist süßlich-würzig, nussig und manchmal auch ein bißchen herb. Sie lassen sich backen, braten und kochen, zu Cremesuppen und Pürees verarbeiten aber auch roh geraspelt im Salat genießen.

Pastinaken sind ein altes Gemüse. Im Römischen Reich gehörten sie zu den beliebtesten Wurzelgemüsen. Die alten Römer machten sogar Bier und Wein aus Pastinaken und hielten sie für ein Aphrodisiakum. Der römische Feinschmecker Apicius verwendete Pastinaken in seinem Rüben-Apfel-Eintopf. Karl der Große schrieb in seiner Landgüterverordnung, Capitulare de villis vel curtis imperii, den Anbau von Pastinaken als Grundnahrungsmittel vor. Den Namen Pestnacke bekam das Wurzelgemüse, als man den Saft der Pastinake während der großen Pestepidemie im 14. Jahrhundert als Heilmittel einsetzte. Ansonsten spielte die stärkehaltige Pastinake in der Gastronomie im Mittelalter die Rolle, die später die Kartoffel übernahm. Sie war fast der wichtigste Bestandteil der damaligen Suppen und Eintöpfe. In der Schweiz und in Österreich war die Pastinake bis weit ins 18. Jahrhundert ein bedeutendes und beliebtes Grundnahrungsmittel.
Die Eigenschaft der Pastinake, "Winde zu erzeugen", brachten ihr schon früh den Ruf ein, Wolllust und Fortpflanzung zu fördern. Neuvermählten empfahl man, aus Pastinaken einen Fruchtbarkeitstrank zu machen. In der sinnenfrohen Barockzeit findet man sie daher auf vielen Gemälden.
Pastinakenschälerin, Nicolaes Maes (1655) London, National Gallery

Nach der Einführung der Kartoffel im 17. Jahrhundert als Grundnahrungsmittel verloren Pastinaken, obwohl sie auch Germanenwurzel genannt werden, in Deutschland leider viel von ihrer Bedeutung. und verschwand fast ganz von der Bildfläche. Nicht so in Frankreich, Spanien und Großbritannien. Hier wurden Pastinaken weiterhin geschätzt und gegessen. Erst seit ein paar Jahren liegen Pastinaken wieder im kulinarischen Trend. Vielleicht, weil Sterneköche die würzige Wurzel wiederentdeckten. Vielleicht ist die Wiederaufstehung der Pastinake auch den Bio-Bauern zu verdanken, die das altbekannte Wurzelgemüse in den vergangenen Jahren wieder vermehrt angebaut haben.
Ich finde es besonders schön, daß Eva von evchen kocht in Zorras Blog den CXXXVII. Event mit dem Motto Zurück zu den Wurzeln veranstaltet. Pastinaken und alle anderen Wurzeln sollten im Winter einen festen Platz auf dem Speisezettel haben.

In Wikipedia fand ich diese kuriose Geschichte zu den Pastinaken: "In der Donald-Duck-Geschichte Das goldene Vlies von Carl Barks taucht in der deutschen Übersetzung von Erika Fuchs Pastinakenpudding als ungenießbare Mahlzeit auf. Die Donaldisten lassen daher auf ihren Kongressen jeweils den abgewirtschafteten Tagungsleiter („PräsidEnte“) öffentlich eine Schüssel Pastinakenpudding verspeisen." Vielleicht sollte man dem überdrehten Donald, der gerade das Weiße Haus in Washington und den Rest der Welt verrückt macht, auch einmal öffentlich einen Pastinakenpudding servieren. Denn nach Entenhausener Art beschließt der bei Donald wenig beliebte Pudding das Ende der Karriere des Herren.

Pastinakencreme mit Orangensaft und Wachtelei
250 g Pastinaken
80 ml frisch gepresster Orangensaft
1 TL Quatre Épices (Viergewürz, eine traditionelle Gewürzmischung der französischen Küche aus weißem Pfeffer,  Ingwer, Muskat und Gewürznelken)
Orangensalz
Olivenöl nativ extra Sorte Empeltre
4 Wachteleier
fein gehobelte Parmesanstreifen
Rosmarinblüten
schwarzes Hawaïsalz
1-2 EL Pinienkerne (optional)

Pastinaken mit dem Sparschäler schälen und in Stücke schneiden. In einen Topf geben, mit kaltem Wasser bedecken und circa 15-20 Minuten kochen, bis sie weich sind. Abschütten und abtropfen lassen. Etwas Kochwasser aufheben.

Weiche gekochte Pastinakenstücke in den Mixer geben. Frisch gepressten Orangensaft, das Vier-Gewürz, etwas Orangensalz und bestes Olivenöl zufügen. Mixen, bis ein feines Püree entstanden ist. Eventuell etwas Kochwasser zufügen. Püree in einen Topf füllen und warmhalten.

In eine beschichtete Pfanne etwas Olivenöl geben. Vier Wachteleier im heißen Öl rasch braten, bis das Eiweiß stockt. Vom Herd nehmen. Pinienkerne in einer kleinen Pfanne ohne Fett kurz anrösten.

Pastinakenpüree in vier kleine Suppenschalen verteilen. Gebratene Wachteleier auf die Creme legen. Mit Parmesanstreifen, schwarzem Hawaiisalz und Rosmarinblüten bestreuen. Wer mag, kann die Pastinakencreme auch noch ein paar leicht angeröstete Pinienkerne bestreuen. Zum Schluß mit einigen Tropfen Olivenöl beträufeln. Heiß servieren.

Blog-Event CXXXVII - Zurück zu den Wurzeln (Einsendeschluss 15. Januar 2018)

Sonntag, 7. Januar 2018

Winteressen: Schwarze Nudeln mit Artischocken und jungem Knoblauch


Ich habe schon gar keine Lust mehr auf den Markt zugehen. Obwohl wir auch in Spanien mitten im Winter sind, werden in den Ständen zuhauf fade Auberginen, wässrige Tomaten, Erdbeeren ohne Aroma, geschmacklose Himbeeren und Heidelbeeren, grüner Spargel aus Peru, etc. angeboten, Früchte und Gemüse, die jetzt überhaupt keine Saison haben. Erstaunlicherweise werden diese faden Früchte und Gemüse auch gekauft. Ob die Leute gar nicht wissen, daß das keine Saisonfrüchte sind oder ob sie sie einfach kaufen, weil man daran gewöhnt ist, alles das ganze Jahr über zu bekommen?

In Spanien haben jetzt Artischocken, junger Knoblauch, allerlei Kohlsorten, Endiviensalate, Rote Bete, Süßkartoffeln, Karden, Lauch, Mangold, Winterspinat, Sellerie, Kürbis, Zitronen, Mandarinen, Orangen, Grapefruits, Blutorangen, einheimische Kiwis und Banenen Hauptsaison. Dazu kommt ein breites Angebot an Hülsenfrüchten wie Kichererbsen, rote, weiße, braune, schwarze Bohnenkerne, die bei uns auf den Märkten lose angeboten werden.  Die Auswahl an frischem Wintergemüse und Winterfrüchten ist so groß, daß man nicht auf von weither importierte oder im Gewächshaus gezogene Gemüse und Obstsorten zurückgreifen muß.

Die schwarzen Nudeln, auf Spanisch fideos negros, sind selbst gemacht. Nicht von mir, sondern von meiner Schwiegertochter Julietta. Sie waren ausgezeichnet, viel besser als gekaufte schwarze Nudeln. Julietta nahm zum Färben Tintenfischtinte, was den Nudeln einen feinen Hauch von Fischgeschmack verlieh. Das fand wohl auch meine Katze Jimmy interessant. Während ich den Teller mit dem Gericht vor meinem Haus fotografierte, fraß Jimmy die restlichen Nudeln in der Küche einfach auf. Wohl bekomm's !


Schwarze Nudeln mit Artischocken und jungem Knoblauch
250 g schwarze Spaghetti
6-8 kleine, junge Artischocken 
2 Bund junger Knoblauch (ersatzweise 1 Bund Lauchzweiebeln und 2-3 rosa Knoblauchzehen)
6-8 ELfruchtiges Olivenöl nativ extra 
Meersalz

Jungen Knoblauch putzen, d.h. Wurzeln und äußere Blatthüllen abschneiden bzw. abziehen. Stangen in 2-3 cm lange Stücke schneiden. Mit Lauchzwiebeln ähnlich verfahren. Knoblauchzehen - sofern man sie verwendet - häuten und in Scheiben schneiden.

3 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Knoblauchstücke zuerst bei starker Hitze 2 Minuten anbraten, bis sie leicht goldbraun sind. Dann die Hitze verringen und den Knoblauch garen, bis er weich ist. Das dauert circa 5 Minuten. Aus der Pfanne nehmen.

Schwarze Nudeln in reichlich Salzwasser al dente garen

Restliches Öl in die Pfanne gießen und erneut erhitzen. Die äußeren Blätter der Arischocken zum Stiel hin abreissen, bis die Blätter am Ansatz heller werden. Die dunklen Blattspitzen bis zum hellen Rand großzügig abschneiden. Das dunkle Ende des Stiels anschneiden. Stiel schälen. Artischocken vierteln, eventuell vorhandenes Heu entfernen. Artischockenviertel sofort ins heiße Öl legen. Von allen Seiten goldbraun anbraten. Dann die Hitze verringern und die Artischocken noch 3-4 Minuten garen. Knoblauchztücke zu den Artischocken geben und kurz erwärmen. Leicht salzen.

Artischocken und Knoblauchstangen mit den abgetropften Nudeln mischen. Eventuell noch mit ein paar Tropfen Olivenöl beträufeln. Sofort servieren.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Statt Weihnachtsgans: Geschmorte Wachteln mit roten Bohnenkernen aus Tolosa


Als wir noch eine Großfamilie waren, war mein Vater an Weihnachten für die Zubereitung der mächtigen Weihnachtsgans zuständig, die den Ehefrauen, Töchtern, Schwiegertöchtern und Enkel ausgezeichnet mundete. Mittlerweile ist die Familie leider sehr geschrumpft. Da wäre eine Gans wohl viel zu viel. Außerdem werden hier in meiner spanischen Region auch zu Weihnachten allenfalls nur tiefgefrorene Weihnachtsgänse aus Polen angeboten. Die haben bei weitem nicht den guten Geschmack, den die von meinem Vater direkt beim Schwarzwälder Bauern gekaufte Gans hatte. Als Alternative für die Kleinstfamilie habe ich Wachteln genommen. Eine Wachtel pro Person reicht für eine Vorspeise. Als Hauptgericht sollte man zwei der kleinen Vögel nehmen.

Vom Testkochen für mein jüngstes Kochbuch Spanien vegetarisch, hatte ich reichlich von den ausgezeichneten Alubias de Tolosa,  dunkelrote Bohnenkeren aus Tolosa im Baskenland übrig. Im Baskenland sagt man, wer arbeitet, tut es, um Bohnenkerne ins Haus zu bringen. Das zeigt die Bedeutung, die diese und andere Bohnenkerne einst als Grundnahrungsmittel hatten. Dabei wurden Bohnenkerne, als sie im 16. Jahrhunderts aus Südamerika nach Spanien importiert wurden, zunächst als Viehfutter in Gebrauch. es dauerte viele Jahre, bis diese Hülsenfrüchte ab dem 18. Jahrhundert von den Bauern und den Hausfrauen akzeptiert wurden, bis sie dann ein Hauptbestandteil der baskischen Küche wurden und die Dicken Bohnen sowie die Kastanien ersetzten, die bis dato die Rolle innehatten. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren Bohnenkerne fast täglich auf dem Speiseplan der baskischen Haushalte zu finden. Eine Statistik von 1914 erzählt, daß die Jahresproduktion von Bohnenkernen vier Millionen Kilo betrug. Das Verschwinden großer landwirtschaftlicher Flächen durch die zunehmende Industrialisierung und eine Änderung der Eßkultur ließ den Verbauch von Bohnenkernen im Baskenland auf nur noch 400.000 Kilo pro Jahr sinken. Erst in den verganegen Jahren steigt der Verbauch an Bohnenkernen und anderen Hülsenfrüchten wieder. Vielleicht auch durch die neuerliche Veränderung der Eßgewohnheiten z.B.die Tatsache, daß auch in Spanien die Menschen weniger Fleisch essen oder gar Vegetarier sind. Bohnenkerne gehören zu den besten pflanzlichen Proteinlieferanten.

Was ist das Besondere an den Alubias de Tolosa? Das ist einmal ihr exquisiter, buttriger Geschmack. Außerdem lassen sie sich, einmal eingeweicht und gekocht, problemlos einfrieren, was das spontane Zubereiten von Bohnengerichten sehr erleichtert. Ihren Namen haben die Bohnenkerne nicht etwa, weil sie nur um Tolosa herum angebaut werden, sondern eher von dem seinerzeit sehr bedeutenden Wochenmarkt von Tolosa. Dieser findet seit 1.256 regelmäßig statt. Dazu muß  man wissen, daß Tolosa verkehrstechnisch sehr günstig liegt. Hier mussten alle Händler und Besucher vorbei, die von Navarra, Aragón und Castilla nach Frankreich wollten. Auf dem Markt wurden neben anderen Lebensmitteln auch die Überschüsse an Bohnenkernen an eben jene Reisende und Händler verkauft. D.h. der Name kommt zunächst einmal daher, daß man seine Bohnen in Tolosa gekauft hatte.
Es existiert noch eine Variante der dunkelroten Alubia de Tolosa, die fast schwarze Tolosako Babarruna. Das ist die Luxusausführung der gewöhnlichen Bohnenkerne von Tolosa. Das Kilo kostet fast 20 Euro, sofern man sie überhaupt bekommt. Sie wird nur noch von rund 40 Bauern angebaut. Auf den rund 20 Hektar rund um den Ort Babarruna ernten sie circa 25.000 Kilo pro Jahr. Da die meisten Felder in gebirgigen Zonen liegen, ist die Bearbeitung und die Ernte fast ausschließlich Handarbeit.

Außer mit gebratenen oder geschmorten Wachteln, isst man im Baskenland die Alubias de Tolosa gern  deftig mit Bauchspeck, Blutwurst, Schweinerippe und Chorizo oder in wärmenden Eintöpfen. Ein ganz besonderer Genuß sind die frisch geernteten Bohnenkerne, pochas genannt, die es leider nur für ganz kurze Zeit im Früherbst gibt.
Geschmorte Wachteln mit roten Bohnenkernen aus Tolosa
Für 2 Personen als Vorspeise:
125 g rote Bohnenkerne, am besten aus Tolosa (Judías de Tolosa)
1 kleine Karotte
1 Lorbeerblatt
2 Zweige Thymian
1-2 Gewürznelken
1 Stückchen getrocknete Orangenschale
1 kleine rote Zwiebel
2 rosa Knoblauchzehen
2 küchenfertige Wachteln
1 Schalotte
circa 1/8 l trockener Rotwein
Olivenöl nativ extra
Meersalz oder Orangensalz

Rote Bohnenkerne über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Am nächsten Tag die Bohnen in ein Sieb schütten, abspülen und abtropfen lassen.

Karotten schälen und in kleine Würfel schneiden.  Zwiebel häuten und mit den Nelken bestecken. Bohnenkerne mit kaltem Wasser aufsetzen. Zwiebel, Knoblauch, Lorbeerblatt, Thymian, Orangenschale, Karottenwürfel und Salz sowie einen Schuß Olivenöl zugeben. Aufkochen lassen. Bei mittlerer Hitze circa 35-40 Minuten kochen. Die Bohnenkerne dürfen nicht zu weich werden. Wenn sie gar sind, abschütten und abtropfen lassen. Gewürze, Zwiebel, Knoblauch und Kräuter entfernen.

Schalotte häuten und fein hacken. Wachteln längs halbieren. Leicht mit Orangensalz würzen. Olivenöl in einer Kasserolle erhitzen. Wachteln von allen Seiten im heißen Öl in circa 5 Minute goldbraun anbraten. Zum Schluß die Schalotten kurz mit anschwitzen. Mit Rotwein ablöschen. Zugedeckt bei schwacher bis mittlerer Hitze circa 25-30 Minuten schmoren.

Abgetropfte Bohnenkerne zugeben und 5 Minuten mit erhitzen.

Die Wachtelhälften auf den Bohnenkernen servieren.


Mittwoch, 6. Dezember 2017

Fürs Weihnachtsmenu: Forellenmousse mit grünem Pfeffer und Sauce Gribiche

Nein wir basteln nicht für Weihnachten, sondern wir probieren Rezepte fürs Weihnachtsmenü rechtzeitig aus. Bei meinem Fischhändler waren schöne, frische Lachsforellen im Angebot. Forellen eignen sich wunderbar zur Herstellung einer feinen Mousse. Eine Mousse hat u.a. den Vorteil, daß man sie zwei, drei Tage vor dem Fest zubereiten kann und folglich nicht in Kochstress kommt. Außerdem ist Forellenmousse eine schnell und leicht herzustelllende Vorspeise fürs Weihachtsmenu.

Dazu schmecken ein ofenwarmes Baguette oder frisches, kräftiges Körnerbrot und ein Feldsalat mit einer Vinaigrette aus einem Hauch Knoblauch, Meersalz, frisch gemahlenem Pfeffer, Zitronensaft und bestem Olivenöl und eine Sauce Gribiche. Das ist eine kalte Sauce aus der traditionellen französischen Küche, mit pikant-würzigem, leicht säuerlichem Geschmack. Die Mayonnaise als Grundlage der Sauce Gribiche, ist natürlich hausgemacht. Je nach Saison gibt man noch fein gehackte Kräuter wie Petersilie, Estragon oder Koriander dazu. Die haben aber auch in Spanien zur Zeit keine Saison mehr. In Frankreich ist man Sauce Gribiche ganz klassisch zu Tête de Veau (gekochter Kalbskopf) oder Sülzen, zu Fisch, Krebsen und  anderen Schalentieren, zu Spargel und Gemüse.

Natürlich wollte ich wissen, woher der Name Gribiche kommt. Trotz intensiver Suche habe ich im Internet nicht wirklich finden können, woher er stammt.  Ich fand allerdings heraus, daß der französische Regisseur Jacques Feyder im Jahr 1926 einen Stummfilm mit dem Titel Gribiche gedreht hatte, nach einem gleichnamigen Roman des französischen Schriftstellers Frédéric Boutet (1874-1941).
Fündig wurde ich dann in meinem französischen Larousse. Dort steht gribiche stamme möglicherweise aus dem normannischen Dialekt. Damit bezeichne man eine femme méchante (böse Frau). Das Wort wiederum stamme vom Niederländischen kribbich, womit ein Bruddler bzw. Griesgram gemeint sei.
Das erklärt immer noch nicht, warum diese gute Sauce so heißt. Vielleicht weiß das jemand. Dann möge er mir es bitte mitteilen.



Forellenmousse mit grünem Pfeffer und Sauce Gribiche
1 Lachsforelle (circa 600-700 g)
1 TL Butter zum Braten der Forelle
1 Schalotte
50 ml trockener Weißwein
Für die Mousse
500 g Lachsforellenfleisch ohne Gräten
150 g Butter
2 EL Schmand oder Crème Fraîche
Zitronensalz
1/2 TL abgeriebene Zitronenschale
2-3 EL eingelegte grüne Pfefferkörner
Meersalz
Dazu schmecken: 
Ofenwarmes Baguette oder frisches, kräftiges Körnerbrot und Feldsalat mit einer Vinaigrette aus einem Hauch Knoblauch, Meersalz, frisch gemahlenem Pfeffer, Zitronensaft und bestem Olivenöl
und eine Sauce Gribiche. (Rezept siehe unten)

Forelle ausnehmen, sofern das der Fischhändler nicht gemacht hat.  Schalotte häuten und fein hacken.

1 TL Butter in einer großen Pfanne erhitzen. Forelle in die heiße Butter legen und von beiden Seiten bei mittlerer Hitze garen.

Forelle aus de Pfanne nehmen, abkühlen lassen. Haut und Gräten entfernen. Das Forellenfilets zerpflücken. Grünen Pfeffer aus dem Glas nehmen und abtropfen lassen. 150 g Butter in kleine Stücke schneiden.

Fein gehackte Schalotte in der Butter, in der die Forelle gegart wurde, bei mittlerer Hitze 3-4 Minuten anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen.

Forellenstücke, Schalotten samt Bratfett, Butterstücke, Crème Fraîche und Zitronenschale im Mixer fein pürieren. Mit Zitronensalz gut abschmecken. Grüne Pfefferkörner unterrühren.

Mousse in 4-6 kleine Ramequins oder in eine größere, runde Form füllen. Glatt streichen und mit Folie abgedeckt für mindestens 4 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Dazu schmecken ofenwarmes Baguette oder frisches, kräftiges Körnerbrot und Feldsalat mit einer Vinaigrette aus einem Hauch Knoblauch, Meersalz, frisch gemahlenem Pfeffer, Zitronensaft und bestem Olivenöl.

Sauce Gribiche zur Forellenmousse:
1 hart gekochtes Ei
1 rohes Eigelb
1 TL Dijonsenf (Weißweinsenf)
1 TL Weißweinessig oder Verjus
150 ml bestes Sonnenblumenöl
1 Schalotte
8 Schnittlauchhalme
1 TL kleine Kapern (Non-pareilles)
1 TL Zitronensaft
Meersalz
frisch gemahlener, weißer Pfeffer

Eigelb, Senf,  Weinessig, Salz und Pfeffer verrühren. Unter ständigem Rühren das Sonnenblumenöl einfließen lassen. Rühren, bis eine glatte Mayonnaise entsteht.

Schalotte häuten und fein hacken. Schnittlauch mit der Schere in feine Röllchen schneiden. Das hart gekochte Ei schälen und nicht zu fein hacken. Alles zusammen mit den Kapern unter die Mayonnaise ziehen. Zum Schluß den Zitronensaft zugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.


















Dienstag, 28. November 2017

Nachgekocht: Erbsensuppe mit frittierten Belugalinsen und Wacholder-Croutons

Kochsendungen im Fernsehen schaue ich mir schon lange keine mehr an. Die Starköche, die sich mehr derVermarktung ihrer Bücher oder vermeintlich hochwertiger Produkte widmen, als dem eigentlichen Kochen, gehen mir auf den Nerv. Gelegentlich sehe ich mir im SWR die Nachmittagssendung Kaffee oder Tee an. Dort tauchen hin und wieder Köche auf, die wesentlich besser kochen, als alle anderen Star-Fernsehköche zusammen. Diesmal bereitete Rainer Klutsch einen Erbsentopf zu, der raffiniert aber nicht abgehoben ist, kräftig und trotzdem leicht schmeckt. Der hatte es mir angetan, der Erbsentopf, nicht Rainer Klutsch.

Sein Rezept habe ich mit ein paar Änderungen nachgekocht. Warum Rainer Klutsch getrocknete Erbsen verwendet, ist mir nicht ganz klar. Ich nahm TK-Erbsen. Gewürzt habe ich zusätzlich mit ein wenig frischer Minze. Das Kraut passt wunderbar zu Erbsen. Dafür nahm ich weniger Wacholderbeeren. Überrascht war ich von den frittierten Linsen. Auf diese Idee wäre ich nie gekommen. Sie schmecken knusprig und knackig.
Mein Fazit: Rainer Klutsch Erbsentopf ist schmackhaft und interessant. Trotzdem war ich ein bißchen enttäuscht. Ich hatte mehr erwartet. Diesen Eindruck hatte ich auch von den Studiogästen. Am besten haben mir die frittierten Linsen gefallen. Die Fleischwürfel hätte man auch weglassen können.
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Erbsensuppe mit frittierten Belugalinsen und Wacholder-Croutons
1 l Fleischbrühe
250 g gekochte Rinderbrust (von der Fleischbrühe)
Für den Einlagen:
100 g Belugalinsen (oder Alblinsen)
350 g grüne Erbsen (TK oder frisch in der Saison)
 Meersalz
1-2 Minzeblättchen
 weißer Pfeffer aus der Mühle
1 Schmorgurke
8 Scheiben altbackenes  Weißbrot 
2 EL Butter plus 1 EL Sonnenblumenöl
1/2 TL Wacholderbeeren 
500 ml  Sonnenblumenöl

Linsen circa 3 Stunden in lauwarmem Wasser einweichen. Herausnehmen, abtropfen lassen und mit Küchenpapier sehr gut trocknen.

Weißbrot in kleine Würfel schneiden. Gurke schälen und in kleine Würfel schneiden. Suppenfleisch in Würfel schneiden. Erbsen auftauen. Wachholderbeeren im Mörser zerstoßen.

Fleischbrühe erhitzen. Aufgetaute Erbsen 2-3 Minuten in der heißen Brühe garen. Topf vom Herd nehmen. Suppe etwas abkühlen lassen, dann fein pürieren. Durch ein Haarsieb streichen. Wieder in den Topf geben.  Fleischwürfel in die Suppe legen. Warm halten.

Butter mit etwas Öl in einer Pfanne erhitzen. Brotwürfel in der heißen Butter goldbraun braten. Zerstossene Wacholderbeeren zugeben und kurz schwenkne. Croutons auf Küchenpapier legen.

Sonnenblumenöl in einem hohen Topf auf 160ºC erhitzen. Linsen im heißen Fett ca. 2-3 Minuten frittieren, bis sie aufplatzen. Linsen mit einer Schaumkelle herausheben und auf einem Küchenpapier abtropfen lassen.

Erbsensuppe noch einmal mit Salz, weißem Pfeffer und einem ganz fein geschnittenen Minzeblättchen abschmecken.

Zum Servieren die Erbsensuppe in vier tiefe Teller schöpfen. Mit Wacholdercroutons, Gurkenwürfeln und frittierten Linsen bestreuen.

Sonntag, 5. November 2017

Tapas: Kroketten mit Pimientos del Piquillo de Lodosa und Ei

Als ich die Zutaten für diese Kroketten kaufte, habe ich mich richtig geärgert. Zunächst über die spanischen  Supermarktkette Mercadona, dann über mich. Pimientos de Piquillo sind dreieckige, feuerrote, süße Paprikaschoten, die in Navarra angebaut werden. Sie sind geschützt durch die Herkunftsbezeichnung Denominación de Origen Piquillo de Lodosa. In der Regel sind sie nur eingedost erhältlich. Sie werden auf Holzkohle geröstet, enthäutet und dann in Dosen vepackt, wo sie im eigenen Saft liegen. Ohne Zusätze ! Ganz selbstverständlich ging ich davon aus, daß die Pimentos del Piquillo, die ich in einem spanischen Supermarkt kaufe, auch Pimientos del Piquillo aus Spanien sind. Groß war mein Ärger, als ich beim Öffnen der Dose das Kleingedruckte las. Das stand "Producto originário de Peru". Mit anderen Worten, wo ich ein spanisches Produkt erwartete, jubelte mir Mercadona ein peruanisches unter. Zudem enthalten diese peruanischen Pimientos noch Salz, Zucker und Konservierungsstoffe, was bei den echten Pimientos del Piquillo de Lodosa D.O. verboten ist. Mir hätte auffallen müssen, daß der Zusatz de Lodosa D.O. fehlt. Also für die Zukunft gilt, auch das Kleingedruckte auf der Dose bzw. der Verpackung lesen, und dafür die Lesebrille zum Einkaufen mitnehmen.


Kroketten bzw. croquetas, gehören zu den beliebtesten Tapas in Spanien. Sie bestehen aus eine dicken Béchamel, der wahlweise Serranoschinken, Gambas, Käse, etc. beigemischt werden. Außen sind sie knusprig, innen cremig.
Mein erster Versuch, Kroketten herzustellen, endete in einem Desaster. Die Kroketten waren nicht kühl  genug, das Öl nicht heiß genug. Die Kroketten brachen beim Frittieren auseinander. Mittlerweile kenne ich die Tricks so einigermaßen. Die Kroketten sollten kühl, aber nicht eiskalt sein und sehr gut paniert mit nicht zu feinen Semmelbröseln. Nicht zu viel Kroketten auf einmal frittieren, sonst kühlt das Öl zu stark ab und die Panade saugt sich voll Öl. Ist das Öl zu heiß werden die Kroketten zu schnell braun und die Füllung bleibt kalt. Üben muß ich doch noch ein paarmal. Denn meine Kroketten sind noch lange nicht so perfekt geformt, wie man diejenigen, die man in spanischen Bars als Tapa serviert bekommt.


Kroketten mit Pimientos del Piquillo und Ei
6-8 Pimientos del Piquillo de Lodosa D.O.
65 g Butter
75 g Mehl
1/2 l Milch
1 hart gekochtes Ei
Meersalz
1/2 TL roter Kampotpfeffer
Zum Panieren und Frittieren:
1 Ei
Semmelbrösel (nicht zu fein)
Olivenöl

Pimientos del Piquillo aus der Dose nehmen, gut abtropfen lassen und fein hacken. Ei schälen und fein hacken.

Aus Butter, lauwarmer Mehl und Milch eine dicke Bechamel kochen. Feingehackte Pimientos del Piquillo und ei unterrühren. Mit Salz und fein zerstoßenem Kampotpfeffer würzen. Abkühlen lassen. Dann für mindestens eine Stunden in den Kühlschrank stellen.

Aus der gut abgekühlten Masse mit leicht eingeölten Händen längliche oder runde, gleichgroße Kroketten formen. Nach 5-6 Kroketten Hände waschen und erneut einölen. Kroketten erst in verschlagenem Ei, dann in Semmelbröseln wälzen. Noch einmal mindestens eine Stunde im Kühlschrank kühlen. Oder für rund 30 Minuten ins Gefrierfach stellen.  Zehn Minuten vor dem Frittieren aus dem Gefrierfach nehmen.

Reichlich Olivenöl in einem hohen Topf erhitzen (170 - 180ºC ) . Die gekühlten Kroketten portionsweise  (maximal 4-5 Kroketten)  im heißen Öl goldbraun frittieren. Dabei mit einem Holzlöffel ein- oder zweimal umdrehen. Herausnehmen, auf Küchenpapier legen und essen .Warm schmecken sie am besten.

TIPP: Fertig panierte Kroketten lassen sich gut einfrieren. Vor dem Frittieren sollte man sie  10-15 Minuten auftauen.


Montag, 30. Oktober 2017

Salat aus gebratenen Kichererbsen mit Sepia und Hibiskussalz


Kichererbsen gehören neben Linsen zu meinen liebsten Hülsenfrüchten. Sie wachsen zwar nicht gerade vor meiner Haustür, aber vor der Haustür meines spanischen Nachbarn. Ein Rezept für einen lauwarmen Salat mit Kichererbsen kombiniert mit Sepia, habe ich mir für den Event mit dem Titel Heimisches Superfood ausgesucht, den Christina vom Blog The Apricot Lady und Sina vom Blog Giftigeblonde gemeinsam veranstalten. Das Gericht lässt sich als Tapa oder leichte, schnell zubereitete Vorspeise oder als lauwarmer Salat genießen.

Die Kichererbse (Cicer arietinum), auch Römische Kicher, Venuskicher oder Felderbse genannt, stammt zwar auch aus der Familie der Hülsenfrüchtler, ist jedoch keine Verwandte der grünen Erbse. Sie ist eine alte Nutzpflanze und stammt ursprünglich aus Kleinasien. Hauptanbaugebiete der Kichererbsen sind heute Spanien, die Türkei, Nordafrika, Mexiko, Afghanistan, Indien und Pakistan.

Kichererbse ist jedoch nicht gleich Kichererbse. Zwei Gruppen Kichererbsen sind auf dem Markt zu finden: die kleinen, runzeligen, roten, braunen oder schwarzen Samen aus Indien und die größeren rundlichen, beige-gelben bis hellbraunen Kichererbsen aus dem Mittelmeerraum, die in Europa bekannter und verbreiteter sind. Daß es innerhalb dieser beiden Gruppen noch unterschiedliche Sorten gibt, will ich nur kurz erwähnen. Ich glaube aber kaum, daß man in deutschen Läden unter sechs oder sieben verschiedenen Kichererbsensorten wählen kann wie hier in Spanien. Auch wenn es interessant wäre, denn es gibt eher mehlig kochende Sorten und andere, die knackiger bleiben.

Was mir bei vielen Rezepten auffällt, ist die Tatsache, daß Kichererbsen aus der Dose bzw. dem Glas verwendet werden. Das ist mir unverständlich, denn die Kichererbsen aus der Dose schmecken nur halb so gut wie selbstgekochte. Der feine nussige Geschmack, der Kichererbsen eigen ist, kommt bei Kichererbsenkonserven gar nicht zur Geltung. Dabei ist Aufwand für die Vorbereitung der Kichererbsen nur halb so schlimm. Getrocknete Kichererbsen über Nacht in reichlich kaltem Wasser einweichen. Die Schüssel groß genug wählen, denn die Kichererbsen quellen stark auf. Am nächsten Tag die Kichererbsen in ein Sieb abschütten. Reichlich frisches Wasser aufkochen, die Kichererbsen ins kochende Wasser schütten, aufkochen und je nach Sorte etwa 45-60 Minuten bei mittlerer Hitze kochen.  Dann abschütten und weiterverarbeiten.

Da sich gekochte Kichererbsen wunderbar in Portionen abgepackt einfrieren lassen, ohne an Geschmack zu verlieren, kann man sozusagen Sieben auf einen Streich kochen. Ein oder zwei Kilo getrocknete Kichererbsen auf einmal einweichen bzw. kochen und dann portionsweise einfrieren. So hat man immer gekochte Kichererbsen zur Hand. Sie tauen übrigens sehr schnell auf.

Kichererbsen eignen sich für Suppen und Eintöpfe, schmecken als Hummus und Falafel, im oder als Salat und in indischen Currys. Aus Kichererbsenmehl kann man Fladen machen. Die Italiener bereiten damit die Farinata di ceci zu, einen Pfannkuchen den man in der Provence und rund um Nizza  Cade oder Socca nennt. Unter dem Namen Calentita ist ein ähnlicher Kichererbsenkuchen in Gibraltar sehr beliebt. Fügt man Eier und Kreuzkümmel hinzu, dann hat man eine algerische Karantita. In Südamerika, rund um Buenos Aires und Río de la Plata,  kennt man die Farinata unter dem Namen  fainá  und ißt sie zu Pizza.
Sepia oder Echter Tintenfisch genannt, gehört zur Gruppe der Zehnarmigen Tintenfischen. Sie werden u.a. im Mittelmeer gefangen. Das liegt circa 5 km von meiner Haustüre entfernt. Wichtig bei der Zubereitung von Sepia ist, daß man sie, ob ganz oder in Stücken, wirklich nur kurz brät. Dann bleiben sie schön weich. Das Hibiskussalz, Meersalz vermischt mit gerebbelten Hibiskusblüten,  "wächst" zwar nicht unmittelbar vor meiner Haustür, sondern stammt von der nur circa 30 Seemeilen entfernten Insel Ibiza. Es hat einen leicht säuerlich-fruchtigen Geschmack und passt sehr gut zu Fisch und Meeresfrüchten.

Salat aus gebratenen Kichererbsen mit Sepia und Hibiskussalz
500 g gekochte Kichererbsen
400-500 g Sepia (geputzt)
4 rosa Knoblauchzehen
1 Scheibe Ingwerwurzel ( circa 1/2 cm)
1/2 Zitrone
Salsa rosa Soso
Hibiskussalz
Olivenöl nativ extra
1 Zweig Korinader
2-3 Blättchen Zitronenverbene


Sepia putzen, waschen und sehr gut mit Küchenpapier abtrocknen. In kleine Stücke schneiden.
Knoblauchzehen häuten und in feine Scheiben schneiden. Ingwer schälen und fein reiben. Zitronenschale mit dem Zester abziehen und fein hacken.

2-3 EL Olivenöl in einer breiten Pfanne erhitzen. Sepiastücke im heißen Öl 4-5 Minuten anbraten, bis sie weich und zart sind. Leicht salzen und vom Herd nehmen.

In einer zweiten Pfanne 2-3 EL Olivenöl erhitzen. Kichererbsen bei starker Hitze im heißen Öl 2-3 Minuten goldbraun anbraten. Mit Hibiskussalz würzen. Knoblauchscheibchen zugeben und weitere 4-5 Minuten bei schwacher oder mittlerer Hitze braten. Die Pfanne dabei immer mal schütteln.

Vorbereitete Sepiastücke zugeben, mit Pimentón de la Vera würzen und unter Rühren noch 2 Minuten braten. Nicht zu lange, sonst brennt das Paprikapulver an. Vom Herd nehmen.

Zum Servieren Kichererbsen und Sepia auf eine Platte legen. Mit abgeriebener Zitronenschale, ein paar Blättern Zitronenverbene und Koriandergrün und noch etwas Pimentón de la Vera  bestreuen. Zum Schluß noch etwas vom besten Olivenöl darüber träufeln.


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Mittwoch, 25. Oktober 2017

Arabisch - Frittierte Blumenkohlröschen

Warum auch immer, von dem kleinen Blumenkohl, den ich neulich zu einem Salat verarbeitet hatte, blieb eine gute Handvoll rohe Blumenkohlröschen übrig. Wie man auf dem Foto sieht, war es wirklich nur eine Handvoll. Was ich mir dabei gedacht habe, möchte ich auch mal wissen.

Während ich überlegte, was ich damit machen soll, blätterte ich in dem schönen Kochlesebuch Damaskus, der Geschmack einer Stadt,  das Rafik Shami zusammen mit seiner Schwester Marie Fadel geschrieben hat. Dort fand ich ein Rezept für fritterte Blumenkohlröschen. Rafik Shami schreibt:" Wer einmal gebratenen Blumenkohl probiert hat, wird ihn nur noch auf diese Weise zubereiten." Im Prinzip gehe ich mit Shami konform. Die frittierten Blumenkohlröschen schmecken ausgezeichnet. Es wäre mir aber auf Dauer doch zu einseitig, Blumenkohl nur noch frittiert zu genießen, angesichts der vielen guten Rezepte für diese Kohlart.

Wegen seines wenig ansprechenden Geruchs, wird Blumenkohl leider nur zögerlich verwendet. Wird Blumenkohl gar nur gekocht,  reisst sein fader Geschmack zurecht die wenigsten vom Hocker. Doch wer ihn röstet, frittiert oder brät, erlebt eine Offenbarung. Dann nämlich kommt  der Kohl so richtig in Fahrt und lässt unsere Geschmacksknospen aufblühen.

Mark Twain sagte: "Erziehung ist alles. Der Pfirsich war einst eine Bittermandel, und der Blumenkohl ist nichts als ein Kohlkopf mit akademischer Bildung." Also ran an die Erziehung unseres Gaumen mit frittiertem Blumenkohl.

Frittierter Blumenkohl eignet sich als Vorspeise, als Teil eines Mezze- oder Tapasessens oder auch als Beilage zu Fleischgerichten. Auch als Bestandteil eines herzhaften Salates, z.B. mit Linsen, Couscous oder Quinoa,  kann ich mir die frittierten Blumenkohlröschen gut vorstellen.

Arabisch - Frittierte Blumenkohlröschen
1 großer oder 2 kleine Blumenkohlköpfe
Sonnenblumenöl zum Frittieren
Maldonsalz
1 Zitrone

Blumenkohl putzen, Blätter und Strunk abschneiden. Blumenkohl in kleine Röschen teilen, etwa walnußgroß. Nicht kochen, denn sie werden roh frittiert.

Sonnenblumenöl erhitzen. Das Öl ist heiß genug, wenn an einem Holzlöffel, den man ins Öl hält, Bläschen aufsteigen. Blumenkohlröschen portionsweise im heißen Öl goldbraun frittieren. Immer wieder umdrehen, damit sie gleichmäßig goldbraun werden. Das geht übrigens ziemlich schnell.

Frittierte Blumenkohlröschen mit einem Schaumlöffel aus dem Öl nehmen und kurz auf Küchenpapier legen. Dann auf einem großen Teller anrichten. Mit Maldonsalz bestreuen und mit einem Hauch Zitronensaft beträufeln. Das hebt den Geschmack.


Samstag, 21. Oktober 2017

Es herbstelt....Risotto mit Kürbis, Cava und knusprigem Serranoschinken

 
Reisgerichte in allen ihren Facetten, spielen eine wichtige Rolle in der spanischen Gastronomie. Ob mit Gemüse, Fleisch, Hülsenfrüchten, Fisch, Meeresfrüchten, etc.,  die Zahl der Reisgerichte ist ist nahezu grenzenlos. Ich kenne Restaurants, die mehr als 40 verschiedene Reisgerichte auf ihrer Karte haben.

Nicht umsonst ist Spanien der zweitgrößte Reisproduzent in Europa. Pro Jahr werden in Spanien rund 720.000 Tonnen Reis produziert. Sieben Kilo Reis pro Kopf beträgt der mittlere Konsum in Spanien. Die drei Hauptanbaugebiete für Reis in Spanien liegen in den Feuchtgebieten des Guadalquivier bei Sevilla. Dort finden sich 60% der gesamten spanischen Reisproduktion, überwiegend Langkornreis. Ein weiteres wichtiges Reisanbaugebiet liegt im Delta des Ebro bei Tarragona. Hier produziere die Reisbauern überwiegenden die schmackhafte, aber heikel zu kochende Reissorte Bahía. Der Reis aus dem Ebrodelta wird als Arròs del Delta de l'Ebre D.O.P. angeboten. Das dritte Reisanbaugebiet befindet sich in der Comunidad Valenciana, in der Nähe des Naturparkes Parque Natural de la Albufera bei Valencia, in den Feuchtgebieten bei Pego und Oliva und im Mündungsgebiet des Flusses Júcar. Von den rund 4,5 Millionen Tonnen Reis die hier pro Jahr geerntet wird,gehört die Mehrheit der Reissorte Bomba an, die als Arroz de Valencia D.O.P. vermarktet wird.  
Eine Handvoll Reis

El Palmar im Naturpark Albufera
Auch Reis ist eines der Erzeugnisse, das die Spanier den Mauren zu verdanken haben. Aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Kenntnisse hatten es die Mauren in Spanien verstanden, unfruchtbare Feuchtgebiete zu kultivieren und dort Reis anzubauen. Der definitive Rauswurf aller Mauren und Morisken aus Spanien durch König Felipe II. im Jahr 1609, der Bevölkerungsschicht, die praktisch allein für die Agrikultur in Spanien verantwortlich war, bedeutete wirtschaftlich gesehen eine Katastrophe für Spanien. Denn die spanischen Christen hatten es nicht so sehr mit der Arbeit. Die katholische Königin Isabella I.  hatte während ihres endlosen und teuren Krieges gegen die Mauren auch noch den letzten spanischen Bauern zum Hidalgo (niedrigster Adelsstand damals) ernannt. So sparte sich die Königin den Sold und die Ausrüstung, denn Adelige mussten selber dafür Sorge tragen, daß sie gewappnet mit in den Krieg gegen die Mauren zogen. Adel verpflichtet, aber nicht zur Arbeit und schon gar nicht zur mühsamen Feldarbeit. Die Inquisition tat ihr übriges dazu und verdammte und verbot alles, was auch nur im Entferntesten an die "heidnischen" Mauren erinnerte.   José Luis Abellán ( geb.1933 in Madrid), Historiker und Philosoph, schrieb in seinem Buch Historia del Pensamiento Español (Geschichte des spanischen Denkens) "..die politische Einheit, basierend auf der religiösen Einheit, aufgezwungen durch die Katholischen Könige, zog aus wirtschaftlicher und industrieller Sicht sehr negative Auswirkungen  nach sich." Erst Ende des 17. und im 18. Jahrhundert wurden die entvölkerten Landstriche im Süden wieder besiedelt. Die Kultur des Reisanbaus und auch die gesamte Landwirtschaft in Spanien kam langsam wieder in Schwung.

Dieses Risotto schmeckt besonders den Gourmets, die gern kontrastreich essen. Die subtile Süße des Kürbis' kombiniert mit cremigem Käse und knusprigem, leicht salzigem Serranoschinken, ist eine Freude für den Gaumen.

Risotto mit Kürbis, Cava und knusprigem Serranoschinken
300 g Carnarolireis oder Arborio
400 g Kürbis (Butternut oder Hokkaido)
750 -1.000 ml Gemüsebrühe
200 ml Cava brut (spanischer Champagner)
1 kleine Lauchstange (nur das Weiße)
3 frische Knoblauchstangen oder 3 rosa Knoblauchzehen
50 g Parmesan, frisch gerieben
5 EL Olivenöl nativ  extra
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 TL Raz el Hanout oder 1/2 TL Curry
Meersalz
3-4 dünne Scheiben Serranoschinken

Kürbis schälen, Kerne entfernen. Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Das Weiße der Lauchstange in feine Ringe schneiden. Jungen Knoblauch in kleine Stücke schneiden oder Knoblauchzehen häuten und in feine Scheiben schneiden.

Zwei EL Olivenöl in einem Topf erhitzen. Kürbiswürfel in den Topf geben, salzen und pfeffern.Im heißen ÖL 3-4 Minuten unter Rühren anbraten. Sie dürfen nicht braun werden. Eventuell ein wenig Gemüsebrühe angießen. Wenn die Flüssigkeit verdampft ist, Lauch und Knoblauch zugeben. Mit Raz al Hanout oder Curry würzen. Bei schwacher Hitze 6-8 Minuten braten. Vom Herd nehmen.

Gemüsebrühe erhitzen. Serranoschinkenscheiben in einer Pfanne in einem EL Olivenöl von beiden Seiten knusprig rösten. Auf Küchenpapier legen.

Das restliche Olivenöl in einem breiten Topf erhitzen. Den Reis ins heiße Öl geben und unter Rühren 2-3 Minuten glasig anbraten. Mit Cava ablöschen. Wenn die Flüssigkeit vedunstet ist, nach und nach heiße Gemüsebrühe auffüllen. Kurz bevor der Reis gar ist und die letzte Flüssigkeitsration zugegeben wird, die Gemüsemischung und den Parmesan untermischen. Das Risotto sollte schön cremig sein, schlonzig wie die Schwaben sagen. Noch 3-4 Minuten bei abgeschaltetem Herd stehen lassen.

Die knusprigen Serranoschinkenscheiben in  kleine Stücke zerbrechen. Über das fertige Risotto streuen.